2012-02-09 10:19
Rheinbreitbach/ Bad Honnef - Abgewatscht? Waren die Mitbieter besser? Dumm gelaufen oder hat nicht sollen sein? Irgendwo
dazwischen ist wohl einzuordnen, was Oliver Coppeneur mit seinem Umzugswunsch in den Gewerbepark Dachsberg an der A 3
passiert ist. Und Bad Honnef und Rheinbreitbach mit ihrer Schokoladenfabrik.
Schon lange wollte der aus Siegburg stammende Confiseur Oliver Coppeneur das Unternehmen
vergrößern. Wollte und musste: Kaum war die gut 1000 Quadratmeter große Fabrik in Bad Honnef
gebaut und bezogen, musste Coppeneur schon 400 Quadratmeter zusätzlich in Rheinbreitbach
anmieten. Er hatte das Wachstumspotenzial seiner Luxusschokoladen viel zu niedrig eingeschätzt.
Inzwischen befinden sich auf 2600 Quadratmetern die komplette Verwaltung, das Lager und die
Verpackungsabteilung im rheinland-pfälzischen Nachbarort.
Doch wenngleich die beiden Standorte nur wenige Meter trennen, ist die Situation ein Provisorium,
das enorme Verluste mit sich bringt: Eine nahtlose Produktion ist unmöglich, stattdessen müssen die
Mitarbeiter mit Lieferscheinen hantieren. "Eine Zusammenlegung wird das Betriebsergebnis
verdoppeln", ist Coppeneur überzeugt.
Sein Traumgrundstück hat er bereits vor Jahren gefunden: Es liegt am Kreisel auf dem Bad Honnefer
Dachsberg. "Bei den ersten Aushängen des Bauamts habe ich gesagt, das ist es, perfekt", sagt der
heute 44-Jährige. Bedenken von Umweltschützern gegen den Gewerbepark, einen
Gesellschafterwechsel zu "Coppeneur und Compagnon" - das alles haben die Verhandlungen mit der
Bad Honnefer Grundstücksgesellschaft überstanden. Nur dem kommunalen Finanzdruck hielten sie nicht stand: Während die Stadt pro
Quadratmeter 69 Euro wollte, bot Coppeneur, dem ein Angebot in der Grafschaft Ringen über knapp 20 Euro vorliegt, 44 Euro. Und während
der Stadtrat noch über ein Gutachten entscheiden sollte, in dem Coppeneur den geringeren Quadratmeterpreis gegen
Gewerbesteuermehreinnahmen verrechnet, hat die Grundstücksgesellschaft "sein" auserwähltes Grundstück bereits an das Unternehmen
Schiffer&Westhoven aus Bad Honnef vergeben.
Oliver Coppeneur ist sehr enttäuscht von diesem Korb von Bürgermeisterin Wally Feiden. Er will nicht in Rumänien produzieren wie sein
Teilhaber, er wollte hier in bleiben, wo er mit fünf Kindern, zwischen zwei und neun Jahren alt, in Rheinbreitbach lebt und von zu Hause zu Fuß
zur Arbeit nach Bad Honnef gehen kann. Wie sehr beide Orte als ein Lebensraum zusammengehören, verdeutlicht auch Rheinbreitbachs
Bürgermeister Karsten Fehr: "Es wäre schön, wenn wir Coppeneur behielten." Viele Familien leben von der Schokolade. Fehr will sich
persönlich dafür einbringen, dass das so bleibt.
Coppeneur will sich nach dem Schlag erst mal sortieren. Der Neubau ist auf 5000 Quadratmetern
geplant, das Grundstück jedoch soll 15 000 messen, "damit ich in meinem Berufsleben keine weitere
Grundstücksentscheidung mehr treffen muss."
Die Grafschaft Ringen ist "hochinteressant, enthält aber eine bittere Pille": sie liegt auf der anderen
Rheinseite. Für ihn gilt, etwas zu finden, was die unternehmerischen Bedürfnisse erfüllt und trotzdem
für die Mitarbeiter erträglich ist. Ist eine Dreiviertelstunde Anfahrt das? Oder bräuchte es doch eine
weitere Brücke oder Fähre über den Rhein?
Von unserer Redakteurin Dorothea Müth