2012-02-09 00:00
Grafschaft - Die Gemeinde Grafschaft kann sich einmal mehr Hoffnung machen, dass Haribo seine Zelte in der Grafschaft
aufschlagen wird. Aktueller Anlass: Der Gummibärchen-Hersteller aus Bonn sucht in einem Umkreis von 35 Kilometern rund um
die Bundesstadt eine Gewerbefläche von circa 30 Hektar.
Wie Firmensprecher Marco Alfter gestern auf Anfrage bestätigte, hat das Traditionsunternehmen über eine Immobilienfirma Anfragen an
mehrere Kommunen in der Region gestellt, darunter Rheinbach, Bornheim, Euskirchen – und eben auch Grafschaft.
An dem noch zu findenden Standort soll nach Unternehmensangaben zunächst ein Logistikzentrum entstehen. Dabei wird es sich um ein
vollautomatisches Hochregallager handeln. Ein solches mit 11 400 Palettenplätzen für Gummibärchen, Lakritzschnecken und Co. hatte Haribo
im vergangenen Jahr an seinem Standort in Solingen eröffnet. „Das Hochregallager am neuen Standort kann sogar noch größer werden“,
erläuterte Alfter. Eine Verlagerung der Produktion habe damit aber nichts zu tun.
Allerdings schloss der Firmensprecher nicht aus, dass es zu einem späteren Zeitpunkt sehr wohl zu einer Verlagerung vom Stammsitz an den
neuen Standort kommen könnte. Drei Möglichkeiten hält sich laut Alfter das Unternehmen langfristig offen: einen Komplettumzug aus Bonn,
eine Verlagerung der Produktion, während die Verwaltung in Kessenich bleibt, oder auch einen Umzug einzelner Fertigungsschienen. Eine
Entscheidung über den neuen Standort sei noch nicht gefallen. „Ende des Jahres wollen wir den Kauf aber abschließen“, erklärte Alfter
gegenüber der RZ.
„Das Unternehmen wäre uns herzlich willkommen“, kommentierte Bürgermeister Achim Juchem das neuerliche Interesse des
Süßwarenherstellers an der Grafschaft. Immerhin handele es sich um ein Unternehmen mit Weltruf. „Haribo wäre ein hervorragender
Werbeträger“, so der Bürgermeister. Infrage kommen zwei Standorte: das Gewerbegebiet in Gelsdorf oder der Innovationspark in Ringen. Zu
den Chancen sagte Juchem: „Wir bemühen uns. Wir sind von unseren Standorten überzeugt.“ Angesichts der Grundstückspreise, der
Autobahnanbindung und der hohen Zahl von Pendlern in der Region „spricht vieles für uns“.
Die Grafschaft ist seit Jahren immer wieder im Gespräch als Haribo-Standort. 2009 hatten die Hoffnungen allerdings einen Dämpfer
bekommen: Ein Rechtsstreit mit einer Finanzbehörde in Rheinland-Pfalz und die Äußerungen eines Beamten gegenüber Haribo-Chef Hans
Riegel hatten die Gemeinde Grafschaft zwischenzeitlich aus dem Rennen geworfen.
Für den Innovationspark interessiert sich übrigens auch ein anderer Süßwarenhersteller: Der aus Siegburg stammende Confiseur Oliver
Coppeneur, der zurzeit in Bad Honnef und Rheinbreitbach produziert, will sich vergrößern und findet den Standort Ringen „hochinteressant“,
wie er der RZ erzählte. Er sucht ein Grundstück von 15 000 Quadratmetern.
Von unserem Redakteur Frieder Bluhm